Es passiert ohne Vorwarnung: Eine Scheibe aus Einscheibensicherheitsglas (ESG) zerfällt spontan, ohne sichtbaren Aufprall, manchmal mitten in der Nacht. Die Krümel fallen herunter, Fassade oder Fenster stehen offen, und niemand versteht, was geschehen ist. Dieser Beitrag erklärt den Mechanismus dahinter, die damit verbundenen Risiken und die Lösungen, damit es kein zweites Mal passiert.

1. Der Schuldige: Nickelsulfid (NiS)

ESG entsteht, indem normales Glas auf über 600 °C erhitzt und anschließend sehr schnell abgekühlt wird. Dabei baut sich im Glas eine hohe Eigenspannung auf, die ihm seine große Schlagfestigkeit gibt. Schon bei der Herstellung des Rohglases können sich jedoch winzige Einschlüsse aus Nickelsulfid (NiS) bilden: mikroskopisch kleine, praktisch unsichtbare Partikel, die nach dem Vorspannen im Glas gefangen bleiben.

Das Problem: Unter Wärme und thermischen Wechseln (Tag/Nacht, Sommer/Winter) dehnen sich die NiS-Einschlüsse langsam aus. Nach Monaten oder Jahren erzeugt diese Ausdehnung eine zusätzliche Spannung, die sich zur ohnehin vorhandenen Vorspannung addiert. Wird der kritische Wert überschritten, zerspringt die Scheibe schlagartig — von innen heraus, ohne Einwirkung von außen.

2. Wie häufig ist dieses Phänomen?

Statistisch trifft der Spontanbruch durch Nickelsulfid etwa 1 von 1.000 bis 3.000 ESG-Scheiben. Das klingt wenig, doch bei einem Bürogebäude mit 500 Scheiben in der Fassade wird die Wahrscheinlichkeit erheblich. Genau dieses Phänomen steckt hinter den Spontanbrüchen an den Fassaden des Komplexes K2 auf Kirchberg in Luxemburg, wo Vitralux die monolithischen ESG-Scheiben durch VSG ersetzt hat, das selbst im Bruchfall zusammenhält. Solche Einsätze gehören zu unserer Kompetenz für Glasfassaden.

3. Der Heat-Soak-Test: das Risiko vorab ausschalten

Der Heat-Soak-Test (HST) ist in vielen europäischen Ländern für vorgespannte Fassadenverglasungen vorgeschrieben. Das Prinzip: Das ESG kommt für mehrere Stunden bei 290 °C in einen Ofen. Diese Hitze beschleunigt die Ausdehnung vorhandener NiS-Einschlüsse. Fehlerhafte Scheiben zerbrechen kontrolliert im Ofen und werden aussortiert. Scheiben, die den Test unbeschadet überstehen — das geprüfte Glas heißt dann ESG-H —, haben ein erheblich geringeres Spontanbruchrisiko.

Für neue vorgespannte Fassadenverglasungen empfiehlt Vitralux grundsätzlich VSG statt monolithischem ESG. Bricht VSG, bleibt es an Ort und Stelle: Kein Splitter fällt auf Passanten. Wo die Anforderungen am höchsten sind, gilt dasselbe Prinzip auch für Sonderverglasungen wie die Brandschutzverglasung.

4. Was tun, wenn Ihr ESG bereits zerbrochen ist?

  • Den Bereich sofort absichern
  • Vitralux für den Austausch der Scheibe rufen
  • Ihren Versicherer informieren (Spontanbruch ist in den meisten Verträgen gedeckt)
  • Bei Vitralux den Ersatz durch VSG verlangen, damit sich der Fall nicht wiederholt